Antientzündliche Ernährung: So können Sie Ihr Wohlbefinden stärken

Entzündungen sind eigentlich etwas Gutes: Sie helfen unserem Körper, Wunden zu heilen und Krankheitserreger abzuwehren. Bleiben sie jedoch dauerhaft und unbemerkt bestehen, spricht man von „stillen“ Entzündungen – und die stehen mit vielen Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes Typ 2 in Verbindung.

Die gute Nachricht: Mit dem, was täglich auf Ihrem Teller landet, können Sie selbst etwas beitragen. Eine antientzündliche Ernährung setzt auf Vielfalt, viel Pflanzliches, naturbelassene Lebensmittel und gesunde Fette. Wie das im Alltag gelingen kann, erfahren Sie hier.

 

Bunt und vielfältig essen

Je bunter und abwechslungsreicher Sie essen, desto besser. Ein einfaches Ziel: Sammeln Sie pro Woche 30 verschiedene Pflanzenpunkte. Jede Pflanzenart zählt dabei nur einmal, egal wie oft Sie sie essen.

Alles Pflanzliche zählt mit: Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen), Nüsse, Samen, Kräuter und Gewürze, Vollkorngetreide und Pseudogetreide (z.B. Quinoa oder Buchweizen). Sogar Kaffee, Tee und dunkle Schokolade gehören dazu. Klingt viel? Ein Gemüsecurry allein bringt Sie schnell auf zehn Pflanzen.

Dabei hilft Ihnen die Regenbogen-Formel: Kaufen und essen Sie Gemüse und Obst in möglichst vielen Farben – Rot, Orange, Gelb, Grün, Violett und Weiß. Die Farben stammen von sogenannten sekundären Pflanzenstoffen, mit denen sich Pflanzen vor Umwelteinflüssen schützen. In unserem Körper können sie als Antioxidantien wirken – wie kleine Schutzschilder für unsere Zellen.

Auch einige Gewürze können entzündungshemmend wirken, z. B. Kurkuma, Ingwer und Ceylon-Zimt. Kleiner Tipp: Kurkuma kann der Körper besser aufnehmen, wenn Sie es mit etwas schwarzem Pfeffer und Fett kombinieren.

Eine gesunde Salatbowl, mit verschiedenen Lebensmitteln
Eine Schüssel mit Kichererbsen

Den Darm stärken

In unserem Darm leben Billionen von Mikroorganismen. Diese Gemeinschaft wird Darmmikrobiom genannt. Ein Großteil unserer Immunzellen, ca. 70 Prozent, sitzt im Darm. Ein gesundes Darmmikrobiom ist ein gutes Fundament, um Entzündungen entgegenzuwirken.

Sie können Ihre Darmbakterien auf zwei Wegen unterstützen:

 

1. Lebende Kulturen zuführen (probiotische Lebensmittel)

Das sind Lebensmittel mit nützlichen Mikroorganismen, z. B. Milchsäurebakterien oder Hefen. Dazu zählen:

  • Naturjoghurt, Kefir, Skyr und Quark mit lebenden Kulturen
  • frisches, nicht erhitztes Sauerkraut und Kimchi (meist im Kühlregal – Sauerkraut aus der Dose ist erhitzt und enthält keine lebenden Bakterien mehr)
  • naturtrüber, nicht pasteurisierter Apfelessig „mit Essigmutter“
  • Misopaste (erst zum Schluss ins nicht mehr kochende Essen rühren)

Wichtig: Schnell in Essig eingelegtes Gemüse wie Gewürzgurken aus dem Glas zählt nicht dazu.

 

2. Die guten Bakterien füttern (Ballaststoffe)

Ballaststoffe sind das Lieblingsfutter unserer Darmbakterien. So stärken sie unsere Darmschleimhaut. Man findet sie vor allem in Vollkornprodukten, faserreichem Gemüse und Obst, Nüssen, Samen und Hülsenfrüchten, wie z. B. Hafer, Kohlsorten, Äpfeln mit Schale, Beerensorten, Kürbiskernen, Flohsamenschalen und Kichererbsen.

Ein einfacher Trick: Wenn Sie Kartoffeln, Nudeln oder Reis kochen und abkühlen lassen, wandelt sich ein Teil der Stärke in sogenannte resistente Stärke, einen Ballaststoff, um. Kartoffelsalat, Nudelsalat oder Reste vom Vortag sind also eine gute Wahl – auch aufgewärmt. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie sie nach der Zubereitung schnell abkühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren, um das Wachstum schädlicher Bakterien zu vermeiden.

 

Auf gesunde Fette setzen

Fett ist nicht gleich Fett. Manche Fette unterstützen den Körper dabei, Entzündungen in Schach zu halten. Allen voran die Omega-3-Fettsäuren: Aus ihnen bildet der Körper Botenstoffe, die Entzündungen abklingen lassen. Auch einfache ungesättigte Fettsäuren, etwa aus Olivenöl, sind eine gute Wahl – vor allem natives Olivenöl extra bringt zusätzlich wertvolle Pflanzenstoffe mit.

Omega-3-Fettsäuren stecken zum Beispiel in:

  • Walnüssen, Leinsamen, Chiasamen und Hanfsamen
  • Leinöl und Rapsöl
  • fettem Seefisch wie Lachs, Hering oder Makrele oder Algenöl

Tipps für die Küche:

  • Zum Braten eignet sich natives Olivenöl bei mittlerer Hitze gut, ebenso Rapsöl. Ghee oder Kokosöl können Sie gelegentlich verwenden.
  • Für kalte Speisen wie Salate, Dips oder Müsli sind Leinöl und Walnussöl ideal. Leinöl bitte nie erhitzen und im Kühlschrank aufbewahren.
  • Achten Sie auf die Temperatur: Wenn Öl in der Pfanne zu rauchen beginnt, ist es zu heiß. Dann entstehen ungesunde Abbaustoffe. Lieber die Hitze etwas reduzieren.
  • Meiden Sie gehärtete Fette, wie sie in manchen Backwaren, Frittiertem und Fertigprodukten vorkommen. Auf der Zutatenliste erkennen Sie sie an Begriffen wie „ganz oder teilweise gehärtet“.

 

Naturbelassen statt hochverarbeitet

Je näher ein Lebensmittel an seinem natürlichen Zustand ist, desto mehr wertvolle Inhaltsstoffe bringt es mit. Stark verarbeitete Lebensmittel wie Fast Food, Wurstwaren, Fertiggerichte, süße Getränke und viele Knabbereien enthalten dagegen oft viele Zusatzstoffe, ungünstige Fette, aber wenig Ballaststoffe.

 

Als einfache Faustregel für den Einkauf gilt: Werfen Sie einen Blick auf die Zutatenliste. Ist sie sehr lang und voller Begriffe, die Sie nicht kennen, lassen Sie das Produkt lieber im Regal. Greifen Sie stattdessen zu Zutaten, aus denen Sie selbst etwas zubereiten können.

Den Blutzucker im Gleichgewicht halten

Wenn der Blutzucker nach dem Essen stark ansteigt, kann das zu sogenanntem oxidativem Stress führen. Damit ist eine Art „Zellstress“ gemeint, der Entzündungen begünstigen kann. Ein stabiler Blutzuckerverlauf entlastet den Körper.

 

Ein Bild zum Verstehen: die Dampflok

Stellen Sie sich vor, Sie essen auf der Couch einen Toast mit Nutella und bewegen sich danach kaum. Der Zucker gelangt sehr schnell ins Blut. Nun stellen Sie sich Ihre Zellen als Dampflok vor. Der Zucker ist die Kohle. Der Lokführer sind die Mitochondrien, die kleinen Kraftwerke unserer Zellen.

Braucht die Lok gerade wenig Energie (auf der Couch chillen), kann der Lokführer gar nicht so viel Kohle verbrennen, wie geliefert wird. Trotzdem kommt immer mehr nach. Die Kohle verbrennt nicht sauber und stapelt sich im Führerhaus. Der Lokführer ist überfordert und gerät unter Stress. Genau dieser Stress entspricht dem oxidativen Stress in unseren Zellen.

(Das Bild der Dampflok stammt aus dem Buch „Der Glukose-Trick“ von Jessie Inchauspé und wurde hier verkürzt wiedergegeben.)

 

Ein paar Tipps, um Ihren Blutzucker zu stabilisieren:

  • Bewegen Sie sich nach dem Essen: Schon 10 bis 20 Minuten Spazierengehen helfen Ihren Muskeln, den Zucker zu verbrauchen.
  • Essen Sie mehr Ballaststoffe: Sie bilden im Darm eine Art Netz und bremsen, wie schnell der Zucker ins Blut gelangt.
  • Kombinieren Sie Kohlenhydrate mit Eiweiß, Fett und Ballaststoffen – zum Beispiel Vollkornbrot mit Hummus und Gurke statt Toast mit Schokocreme.
  • Lassen Sie Pausen zwischen den Mahlzeiten: Drei Mahlzeiten am Tag reichen den meisten Menschen aus. Wenn Sie doch snacken möchten, greifen Sie lieber zu etwas Herzhaftem wie Nüssen, Oliven oder einem Stück Käse.
Flachssamen sowie eine Flasche mit Öl
Ein stilisiertes Icon einer Glühbirne

So gelingt der Start im Alltag

Sie müssen nicht von heute auf morgen alles umstellen. Wenn rund 80 Prozent Ihrer Mahlzeiten aus nährstoffreichen, naturbelassenen Lebensmitteln bestehen, bleiben 20 Prozent für Ausnahmen – den Burger mit Freunden, das Stück Kuchen am Sonntag. Das nimmt Druck raus, denn es geht nicht um Verzicht. Schließlich „macht die Dosis das Gift“.

Bauen Sie sich einen gesunden Teller, dieser besteht zur Hälfte aus Gemüse, zu einem Viertel aus Eiweiß (Hülsenfrüchte, Tofu, Fisch…) und zum anderen Viertel aus komplexen Kohlenhydraten, wie Vollkorngetreide oder Pseudogetreide (Quinoa, Buchweizen). Toppen Sie Ihre Gerichte mit Nüssen, Kernen oder gesunden Ölen und verpassen Sie ihnen so ein antientzündliches Upgrade.

Stilisierte Sprechblasen

Unser Rat

Ihre ersten Schritte

 

  1. Klein anfangen: Stellen Sie zunächst eine Mahlzeit am Tag um, zum Beispiel Ihr Frühstück.
  2. Beim nächsten Einkauf tauschen: Vollkornnudeln statt heller Nudeln, Raps- oder Olivenöl statt Sonnenblumenöl, Naturjoghurt mit Beeren statt Fruchtjoghurt.
  3. Gerichte aufwerten: Streuen Sie Nüsse oder Kerne über Salat und Müsli oder rühren Sie einen Löffel Sesammus ins Salatdressing.
  4. Mahlzeiten planen: Ein grober Wochenplan erleichtert Einkauf und Kochen.
  5. Den Vorrat füllen: Mit Linsen, Kichererbsen, Haferflocken, Nüssen, Gewürzen und Tiefkühlgemüse haben Sie immer etwas Gutes im Haus.
  6. Neues ausprobieren: Probieren Sie neue Rezepte aus, z. B. aus der mediterranen Küche, und lassen Sie sich inspirieren, zum Beispiel hier: Gesunde Rezepte für jeden Tag | ndr.de oder Entzündungshemmende Ernährung – einfach & alltagstauglich

 

Hier finden Sie außerdem einige Rezepte, die eine antientzündliche Ernährung unterstützen:
Like Ceasar’s Salad mit Tofu und veganem Dressing & Grüntee-Eistee mit Zitrone
von Lena Schlotterhose
Fermentiertes Sauerkraut mit Möhren
von Lilia Shkolnikova
Milde rote Linsensuppe
von Lilia Shkolnikova

 

Seien Sie sich bewusst, dass Sie mit einer vielfältigen, pflanzenbetonten und naturbelassenen Ernährung Ihr Wohlbefinden selbst in die Hand nehmen und so Ihre Selbstwirksamkeit stärken können. Viel Spaß beim Ausprobieren.

 

Wenn Sie mehr über antientzündliche Ernährung erfahren möchten, können Sie sich jetzt schon Ihren Platz in einem unserer Kochseminare unter Anleitung von Lena Schlotterhose, der Autorin dieses Blog-Artikels, sichern.

 

Zu den Kochseminaren

 

Dieser Blog-Artikel wurde verfasst von unserer Dozentin Lena Schlotterhose.

 

Hinweis: Dieser Blog-Artikel ersetzt keine medizinische Behandlung

 

 

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