Beeinflussung: Reichweite ist nicht gleich Kompetenz
Finfluencer können sich das von ihnen vermittelte Wissen auf unterschiedliche Weise angeeignet haben: durch eine professionelle Ausbildung, durch Weiterbildungen, durch eigene Erfahrung, aber auch durch Hörensagen – es gibt keine geschützten, einheitlichen Standards dafür, wann man als Finanzexperte gilt. Ebenfalls besteht keine Pflicht, die Grundlagen des eigenen Expertentums zu belegen oder zu veröffentlichen. Finfluencer können Selbstberufene ebenso sein wie fachmännische Ausgebildete.
Die Reichweite von Finfluencern sollte dabei nicht mit ihrer Kompetenz gleichgesetzt werden, vor allem, wenn keine neutralen, unabhängigen Kompetenznachweise zu finden sind. Oftmals bleibt unklar, woher konkrete Investitionstipps stammen oder auf welcher unabhängigen Quelle vermittelte Renditeprognosen basieren.
Wenn Finfluencing ein auf einzelne Anlagewerte reduziertes Infotainment ist, ist es keine seriöse Aufklärung, kein Bildungsinhalt und keine unabhängige Hilfestellung für die eigene Entscheidung.
Benefit: viele Finfluencer verdienen mit ihren Tipps Geld
Finfluencer sind oftmals aber nicht nur Erklärer, sondern auch Verkäufer. Sie nutzen Affiliate-Links, werben für Broker, Apps oder Finanzprodukte oder bieten kostenpflichtige Kurse, Newsletter oder Mitgliedschaften an. Die Reichweite wächst über Algorithmen, kurze Clips und regelmäßige Posting-Frequenz, wodurch ein stetiges Publikum entsteht, das Neuigkeiten oder exklusive Einblicke erwartet.
Finfluencer müssen nicht immer offenlegen, wer sie für ihre Tipps bezahlt und wie hoch ihre Provisionen und sonstigen Einkünfte aus den Veröffentlichungen sind. Vielen jungen Anlegerinnen und Anleger ist auch überhaupt nicht bewusst, dass Finfluencer für ihre Empfehlungen regelmäßig eine Vergütung erhalten. Laut BaFin traf das auf immerhin 37 % der 2024 Befragten zu.
Vor allem über die Affiliate-Links können die verkaufenden Unternehmen verfolgen, welche Kunden durch einen Partner vermittelt wurden, was gekauft wurde und auf den „Veröffentlichenden“ (den Affiliate) die dafür vereinbarte Provision ausschütten. Was mit den Nutzerdaten der Käufer geschieht und wozu sie von den Unternehmen ansonsten noch genutzt werden, ist unklar.